Ökostrom-Gütesiegel im Vergleich: Was wirklich zählt
Fast jeder zweite Haushalt in Deutschland bezieht mittlerweile einen als „Ökostrom“ bezeichneten Tarif. Der Begriff ist allerdings gesetzlich nicht geschützt — nicht jeder Ökostromtarif trägt tatsächlich zum Ausbau erneuerbarer Energien bei. Wer echten Mehrwert für die Energiewende will, sollte wissen, worauf es bei der Auswahl ankommt.
Warum „Ökostrom“ allein noch nichts garantiert
Physikalisch fließt aus jeder Steckdose derselbe Strommix aus dem Netz — eine Trennung nach Herkunft ist technisch nicht möglich. Ökostromanbieter kaufen stattdessen sogenannte Herkunftsnachweise, die bestätigen, dass an anderer Stelle im Netz eine entsprechende Menge Strom aus erneuerbaren Quellen eingespeist wurde. Problematisch wird es, wenn Anbieter lediglich günstige Herkunftsnachweise — häufig aus alten, ohnehin bereits abgeschriebenen norwegischen Wasserkraftwerken — zukaufen, ohne selbst neue Anlagen zu fördern. Dieses Verfahren ist verbreitet, trägt aber kaum zum tatsächlichen Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland bei.
Drei Kriterien für echten Ökostrom mit Mehrwert
- Erneuerbare Erzeugung: Der gelieferte Strom stammt vollständig aus Wind-, Solar-, Wasserkraft- oder Biomasseanlagen — kein Graustrom-Mix.
- Zusätzlichkeit: Der Tarif fördert aktiv den Ausbau erneuerbarer Energien, etwa durch einen festen Förderbetrag pro verbrauchter Kilowattstunde in neue Anlagen.
- Unabhängigkeit: Der Anbieter selbst ist nicht an Kohle- oder Atomkraftwerken beteiligt, auch nicht über Mutter- oder Tochtergesellschaften.
Die wichtigsten Gütesiegel im Vergleich
Grüner Strom Label und ok-power
Diese beiden Siegel gelten unter Verbraucherschützern und dem Umweltbundesamt als die strengsten und vertrauenswürdigsten am Markt. Beide verlangen 100 Prozent echten Ökostrom und eine verbindliche Förderung neuer Erzeugungsanlagen — beim Grüner Strom Label mindestens 0,1 bis 0,5 Cent pro Kilowattstunde, gestaffelt nach Verbrauch. Getragen werden die Siegel von Umweltverbänden wie NABU, BUND und der Deutschen Umwelthilfe sowie dem Öko-Institut.
TÜV-Zertifikate (TÜV Nord, TÜV Süd, TÜV Rheinland)
Auch TÜV-Siegel bescheinigen echten Ökostrom, legen aber insgesamt weniger strenge Maßstäbe an. Anbieter mit TÜV-Siegel dürfen beispielsweise weiterhin Anteile an Kohle- oder Atomkraftwerken besitzen — ein Unterschied zu Grüner Strom Label und ok-power. Die geforderten Investitionsbeträge in neue Anlagen liegen mit rund 0,1 bis 0,25 Cent pro Kilowattstunde ebenfalls niedriger.
Reine Herkunftsnachweise ohne Gütesiegel
Tarife ohne eines der genannten Siegel sind nicht automatisch unseriös — manche echten Ökostromanbieter verzichten bewusst auf Zertifizierungen, um sich von Mischanbietern abzugrenzen. Fehlt jedoch jede Transparenz zur Herkunft und Förderwirkung, ist Vorsicht angebracht.
Kostet Ökostrom mehr?
Nicht zwangsläufig. Aktuelle Marktvergleiche zeigen, dass der Preisaufschlag für zertifizierten Ökostrom gegenüber konventionellen Tarifen inzwischen oft nur noch minimal ausfällt — teilweise unter einem Cent pro Kilowattstunde. Ein Vergleich lohnt sich trotzdem immer, da die Preisunterschiede zwischen einzelnen Ökostromanbietern selbst deutlich größer ausfallen können als der Unterschied zwischen Öko- und Nicht-Öko-Tarifen.
Worauf Sie beim Tarifvergleich achten sollten
- Prüfen Sie, ob der Tarif eines der anerkannten Gütesiegel trägt — Grüner Strom Label und ok-power bieten die höchste Sicherheit.
- Schauen Sie sich den Gesamtpreis im ersten Jahr an, nicht nur den Arbeitspreis pro Kilowattstunde.
- Achten Sie auf die Firmenpolitik des Anbieters insgesamt — ein Konzern mit einzelnen zertifizierten Ökostromtarifen, aber überwiegendem Kohle- oder Atomstromgeschäft, unterscheidet sich deutlich von einem reinen Ökostromanbieter.
- Vermeiden Sie Tarife, die „Ökostrom“ nur als Marketingbegriff nutzen, ohne jede Zertifizierung oder Transparenz zur Herkunft.
Fazit
Ökostrom kann einen echten Beitrag zur Energiewende leisten — vorausgesetzt, der Tarif erfüllt die Kriterien erneuerbare Erzeugung, Zusätzlichkeit und Unabhängigkeit. Die zuverlässigste Orientierung bieten dabei die Gütesiegel Grüner Strom Label und ok-power. Wer zusätzlich noch auf einen fairen Preis achtet, muss beim Umstieg auf grünen Strom heute kaum noch Kompromisse eingehen.