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Strompreise

Strompreisentwicklung

3 Min. Lesezeit Stand: Juli 2026

Zehn Jahre Strompreis in Deutschland lesen sich wie ein Wirtschaftskrimi: ein stetiger, fast unauffälliger Anstieg über Jahre hinweg, dann der Schock der Energiekrise mit Rekordwerten, die sich heute kaum noch jemand vorstellen mag — und seit 2023 eine langsame, manchmal von Krisen unterbrochene Erholung. Wer verstehen will, warum der eigene Vertrag gerade so teuer oder günstig ist, muss diese Geschichte kennen.

So haben sich die Strompreise entwickelt

2016 lag der durchschnittliche Haushaltspreis noch bei überschaubaren 27,4 Cent pro Kilowattstunde, getrieben vor allem von der immer weiter steigenden EEG-Umlage, die 2020 mit 6,76 Cent ihren Höchststand erreichte. Dann kam 2022 der Ukraine-Krieg: Gaskraftwerke wurden zum Preissetzer am Strommarkt, die Kosten explodierten, in Spitzentarifen wurden zeitweise bis zu 70 Cent pro Kilowattstunde aufgerufen. Mitten in diese Krise fiel im Juli 2022 die vollständige Abschaffung der EEG-Umlage — ein Dämpfer, der den Schock aber nur abfederte, nicht verhinderte.

2023 begannen sich die Großhandelspreise zu erholen, die Börsenpreise sanken auf rund 9,55 Cent. Kaum war diese Entspannung spürbar, zogen 2023/2024 die Netzentgelte um rund 25 Prozent an — höhere Kosten für Netzausbau und -betrieb ließen die Rechnung wieder steigen. Im zweiten Halbjahr 2025 lag der Durchschnittspreis für Bestandskunden bei rund 40,5 Cent, ehe zum Jahreswechsel 2025/2026 ein milliardenschwerer Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten für spürbare Entlastung sorgte: Anfang 2026 waren es nur noch etwa 31,6 Cent.

Die Ruhe hielt nicht lange. Zwischen Februar und April 2026 trieb der Krieg im Iran die Neukundenpreise auf bis zu 27,5 Cent hoch. Seitdem geht es wieder bergab — im Juli 2026 bewegen sich die Preise, je nach Vertragsart, zwischen 23 und 32 Cent pro Kilowattstunde.

Die wichtigsten Preistreiber im Überblick

Am volatilsten sind die Großhandelspreise: Der Einkaufspreis für Strom an der Börse schwankt mit Gaspreisen, Wetter — also Wind- und Solarertrag — und geopolitischen Krisen wie zuletzt dem Iran-Krieg. Die Netzentgelte machen knapp ein Viertel des Preises aus; sie stiegen 2023/2024 kräftig und sinken seit 2025 durch staatliche Zuschüsse und die geplante Netzentgelt-Reform teilweise wieder. Bei Steuern, Abgaben und Umlagen — insgesamt rund 12 bis 13 Cent pro Kilowattstunde — hat sich das Bild seit 2022 gedreht: Die EEG-Umlage ist komplett entfallen, während andere Posten wie die KWKG-Umlage oder die Offshore-Netzumlage 2026 spürbar steigen. Hinzu kommt ab 2026 ein höherer, versteigerter CO₂-Preis von 55 bis 65 Euro pro Tonne, der konventionell erzeugten Strom tendenziell weiter verteuert.

Ausblick: Wie geht es weiter?

Der grundsätzliche Trend zeigt seit 2023 nach unten beziehungsweise seitwärts, auch wenn kurzfristige Schocks wie der Iran-Krieg 2026 immer wieder für Ausschläge sorgen können. Analysten erwarten für die kommenden Jahre stabile bis leicht sinkende Preise, gestützt durch den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und sinkende Netzentgelte. Verlässliche Prognosen bleiben angesichts geopolitischer Unsicherheiten aber Kaffeesatzleserei.

Was bedeutet das für Sie?

Wer seinen Tarif seit Jahren nicht mehr verglichen hat, zahlt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen der teuersten verfügbaren Preise — Neukundentarife geben Marktschwankungen meist deutlich schneller weiter als alte Bestandsverträge. Ein regelmäßiger Vergleich lohnt sich deshalb unabhängig davon, ob die Preise gerade steigen oder fallen.

Quellen: Verivox Strompreisentwicklung, Strom-Report, BDEW-Strompreisanalyse, Bundesnetzagentur, Finanztip. Historische Werte sind gerundete Durchschnittsangaben verschiedener Marktbeobachter und können je nach Erhebungsmethode leicht abweichen.

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